„The Real Me“ von Kyle M: Zwischen Ironie und Offenbarung
Mit seinem Album The Real Me überrascht Kyle Mooney, bekannt aus Saturday Night Live, als Musiker unter dem Namen Kyle M. Aufgenommen und veröffentlicht über das renommierte Indie-Label Stones Throw Records, erscheint das Werk wie eine absurde Mischung aus Kunstprojekt, Parodie und emotionaler Selbsterforschung. Doch ist es wirklich nur ein Gag – oder steckt mehr dahinter?
Ein vermeintliches Geständnis – und dann Musik
Die Ankündigung des Albums erfolgte Anfang der Woche über Mooneys Instagram-Account. In einem Video, das mehr an ein tränenreiches Promi-Statement erinnert als an Promo, erklärte er: „Die letzten Jahre waren verrückt … Das hier bin ich. Das ist der echte Kyle.“ Dieser Ton ließ Fans rätseln: Was kommt jetzt? Ein Rückzug? Eine Enthüllung? Die Antwort: ein Musikalbum.
Am 21. März erschien „The Real Me“, das Debüt eines Künstlers, der sein Image als „awkward comedian“ gegen eine Mischung aus R&B, Rock ’n’ Roll, Country und Dance eintauscht. Und so beginnt das Album mit einem Zwiegespräch mit sich selbst, das schon früh andeutet: Hier wird es introspektiv – oder vielleicht auch nur clever inszeniert.
Tanzen gegen das System
Der Track „I Gotta Dance Tonight“ sticht sofort heraus. Ein 4/4-Beat, der direkt in die Beine geht, und ein Text über das Entkommen aus dem Hamsterrad des Arbeitslebens: „Boss is a jerk, always yells at me / I need a break from all the monotony … I think I can find it on the dance floor.“ Ob ironisch oder ehrlich gemeint – dieser Song besitzt eine mitreißende Energie. Mooney trifft hier einen Nerv: Tanz als Befreiung, Musik als Ausbruch.
Auch „Blue Car“, eine retroinspirierte Hommage an das Lebensgefühl der 50er, zeigt die stilistische Bandbreite des Albums. Kyle M spielt hier mit Genre-Klischees – aber auf so charmante Weise, dass der Song zwischen Satire und echtem Ohrwurm changiert.
Der ernste Kern hinter der Maske
Natürlich fällt es schwer, The Real Me ohne Mooneys Comedy-Hintergrund zu hören. Seit Jahren spielt er Figuren, die sich selbst nicht ganz ernst nehmen, und sein Hang zur Performance-Kunst erschwert eine eindeutige Einordnung. Doch spätestens beim letzten Track, dem titelgebenden „The Real Me“, kommt die volle Authentizität durch. Über simplen Gitarrenakkorden singt er: „I know I come off as a clown / But I’m telling you now / There’s a real me deep down.“ Hier scheint Mooney den ZuschauerInnen zuzurufen: Ja, ich weiß, wie ich wirke – aber ich fühle trotzdem. Der Clown weint. Vielleicht.
Ein Album als Spiegel
Ob The Real Me ein ernstzunehmendes Musikprojekt ist oder ein Meta-Kommentar über Authentizität, Prominenz und Selbstinszenierung – genau darin liegt die Stärke des Albums. Es erlaubt beides. Man kann lachen, nicken, tanzen – und sich gleichzeitig fragen: Was ist hier echt?
Mooney alias Kyle M beweist Mut. Er riskiert Spott, Missverständnisse und Ablehnung, um eine neue Seite von sich zu zeigen. Ob gespielt oder nicht – The Real Me ist ein kreatives Statement mit Tiefgang, Ironie und Seele. Und es ist verdammt hörenswert.